Krank durch ein unreines Herz

An dieser Krankheit kranken heute Tausende von Kindern Gottes. Man kann ihnen eine Bekehrung nicht absprechen. Vielleicht siegte auch wirklich in der ersten Zeit die Macht der göttlichen Gnade über die unreinen Triebe ihrer Natur. Aber es fehlte von Anfang an die tiefe Beschämung und Beugung über die Befleckungen der Vergangenheit. Man fand vielleicht nicht den klarblickenden, geheiligten Seelsorger (oder, soweit es Frauen und Mädchen angeht: die gereifte, vor Gott stehende Seelsorgerin), der mit Ernst und Gnade, mit Liebe und Heiligkeit die Buße zu vertiefen verstand. Vor allem ließ man die Schrift und den Geist Gottes nicht gründlich weiterarbeiten an Herz und Gewissen. Die Gedankenwelt wurde dem Herrn nicht ausgeliefert; man betete nicht tief und ernstlich um Bewahrung vor sündigen Gedanken, Blicken und Regungen. Und siehe da, oft nach erstaunlich kurzer Zeit war der „Bekehrte“ von neuem in Gedanken und Gewohnheiten hineingezogen und gebunden, die eines Nachfolgers Christi so sehr unwürdig sind – Befleckungen, deren man sich vor Gott und Menschen so tief schämen muss, die so ganz der alten, gefallenen Natur angehören und von denen ein Kind Gottes ferne sein sollte, „denn das Ende derselben ist der Tod“. (Röm. 6,21)

Es gibt keine Sünde, die den Menschen so tief nach Leib, Seele und Geist schädigt, die den Charakter so verdirbt und das Ebenbild Gottes so entstellt, wie die Fleischessünde – mag sie nun in Gedanken, Regungen oder greifbaren Taten bestehen. Den gläubigen Korinthern schreibt Paulus: „Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch sonst begeht, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht verübt, sündigt an seinem eigenen Leib.“ (1Kor. 6,18) Und wie furchtbar, dass ein Gläubiger, der auf diesem Gebiet nicht rein und heilig ist, in den meisten Fällen noch andere mit herunterzieht – er, der doch berufen wäre, ein Segen, ein Vorbild für andere zu sein! Petrus schreibt: „Geliebte, ich ermahne euch als Gäste und Fremdlinge: Enthaltet euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten; und führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch aufgrund der guten Werke, die sie gesehen haben, Gott preisen am Tag der Untersuchung.“ (1Pt. 2,11-12) O. wie leidet das innere Leben, das Gott erweckt hatte, unter diesem Sündengift. Der Bekehrte quält seine von Gott erneuerte Seele mit diesen unreinen Dingen und bringt sie von neuem in Knechtschaft. Er kommt niemals zum Sieg, zu dauernder Freude, es sei denn, er bricht unter tiefer Buße und Reue völlig mit diesen Sündengewohnheiten.

Kind Gottes, bist du auf diesem Gebiet gebunden, so vertraue dich einem bewährten, verschwiegenen Seelsorger an (Frauen und Mädchen einer Seelsorgerin) – schriftlich oder mündlich. Gerade von dieser finsteren Sünde wird man nur frei, wenn man sie ins Licht der göttlichen Gegenwart bringt. Erst wenn man sie unter tiefer Reue und Beschämung in heiliger Stunde ausspricht, erkennt und empfindet man sie in ihrer ganzen Hässlichkeit und Niedrigkeit und schämt sich ihrer gründlich. Man braucht auch Fürbitte und möglichst das gemeinsame Gebet mit einem älteren geheiligten Menschen, der vor Gott steht. Wir können aber aus viel Erfahrung sagen: Die Gnade kann und will auch von dieser Sünde ganz frei – ja, dauernd frei machen.