Krank, weil man keine Zeit für den Herrn hat

Satan, der listige Feind, benützt bei vielen Gläubigen die gottgegebenen Pflichten in Haus und Beruf, um ihnen den Gedanken einzuflößen, sie hätten wegen der Menge ihrer Arbeit und Aufgaben keine Zeit, stille vor dem Herrn zu werden – täglich sich die geordnete Zeit zu nehmen zum Gebet und zum ruhigen Aufnehmen des Wortes Gottes! Wer ein Kind Gottes ist, braucht unbedingt – ganz abgesehen von der etwaigen gemeinsamen Hausandacht – ein tägliches Alleinsein vor dem Angesicht seines Gottes, wo Gott zu ihm redet durch die Heilige Schrift und wo er mit Gott redet im Gebet. Der große Staatsmann und Prophet Daniel, der höchste Minister des medischpersischen Weltreiches, hat bei all seinen dringenden und vielseitigen Amtsgeschäften daran festgehalten, dreimal am Tage in sein Obergemach hinaufzusteigen, wo er offene Fenster nach der heiligen Stadt Jerusalem hin hatte. Dort wurde er stille vor seinem Gott und kniete vor Ihm nieder mit Lobpreis, Danksagung und Bitte! Da lauschte er auf Gottes Stimme in der Schrift. Kein Wunder, dass wir hören: „Und dieser Daniel stand in großem Ansehen!“ (Dan. 6,29)

Der Segen Gottes und große Glückseligkeit ist denen beschieden, die ihrem Gott das erste und Beste ihrer Zeit geben – die nicht erst beten und die Schrift lesen, wenn ihre ganze Kraft durch des Tages Last und Hitze verzehrt worden ist! Gerade durch jenen heiligen, täglich gepflegten Umgang mit Gott war Daniel stark, um glaubend und vertrauend durch die größten Bedrängnisse, die heißesten Proben zu gehen, die sein Weg mit sich brachte. Denken wir auch an Maria. Ihre irdisch gesinnte Schwester wollte ihr das gute Teil streitig machen, zu Jesu Füßen zu sitzen und auf Seine Rede zu lauschen. Gibt es nicht auch heute genug Mütter und Schwestern, welche eine ähnliche Gesinnung zeigen, wie die Martha? Der Herr Jesus aber hatte Wohlgefallen an dieser Herzensgesinnung seiner Jüngerin und sprach: „Maria aber hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden!“ (Lk. 10,42) Keineswegs war Maria etwa nachlässig in ihrer Pflichterfüllung. Wir dürfen überzeugt sein, dass sie, ehe Jesus kam, fleißig gearbeitet und ihrer Schwester geholfen hat. Aber ihrem Herzen war der Platz zu Jesu Füßen wichtiger als das Schaffen! Und wenn Er da war, dann nahm sie sich Zeit, um zu hören, was Jesus ihr zu sagen hatte!

Weitaus die meisten Kinder Gottes, welche in eine ungöttliche Verfassung gerieten – deren Herzen gegen Gott und die Mitgläubigen erkalteten, haben dies verschuldet durch verkehrte Tagesanfänge, durch versäumte Morgenstille, durch Vernachlässigung des persönlichen Gebets und des Wortes Gottes oder durch Versäumen der gesegneten Zusammenkünfte der entschiedenen Kinder Gottes. Die Erstlinge des Tages gehören von Rechts wegen Gott. Abraham und andere Männer Gottes standen des Morgens früh auf. Wer die stille Morgenstunde mit dem Herrn versäumt, wer das Manna nicht einsammelt, ehe die Sonne hochsteigt, der wird Mangel leiden! Sobald die Berührungen und Begegnungen mit den Menschen beginnen, wird für ein ungerüstetes Kind Gottes die Kraftlosigkeit, der Mangel an Freude und Friede empfindbar! Wir brauchen jeden Morgen neu die ganze kostbare Waffenrüstung, um die kleinen und großen Proben des Tages siegreich zu bestehen! Gott schreibt uns allerdings wegen der Zeit und Stunde kein Gesetz vor. Manche abgearbeitete Mutter, die Mann und Kinder früh zu versorgen hat, nimmt sich ihre stille Stunde vielleicht ruhiger, wenn der Mann und die schulpflichtigen Kinder fortgegangen, die Zimmer aufgeräumt sind, ehe sie ans Kochen geht. Wie dem auch sei: „Mein erster Blick, wenn ich erwache, sei auf Dich hin, Herr Jesu Christ. Und auf die wunderbare Sache, dass Du für mich gestorben bist!“

Wie aber könnte ein Kind Gottes kraftvoll und siegreich durchs Leben gehen, wenn es Tag für Tag versäumt, aus den Quellen der Kraft und des Friedens zu trinken? Seine Seele muss ja ermatten und verdursten!