Krank durch irdische Gesinnung

Nicht alles, was die Welt bietet, trägt ohne weiteres das Gepräge des Gotteswidrigen. Aber auch in den erlaubten und notwendigen Dingen des irdischen Lebens, im Essen und Trinken, im Kaufen und Verkaufen, in Handel und Gewerbe bedarf ein Christ vieler Wachsamkeit und Bewahrung. Paulus schreibt seinen geliebten Korinthern: „Die Zeit ist nur noch kurz bemessen! So sollen nun in der noch verbleibenden Frist die, welche Frauen haben, sein, als hätten sie keine, und die weinen, als weinten sie nicht, und die sich freuen, als freuten sie sich nicht, und die kaufen, als besäßen sie es nicht, und die diese Welt gebrauchen, als gebrauchten sie sie gar nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.“ (1Kor. 7,29-31) Die welche weltliche Einrichtungen in Anspruch nehmen, als solche, die dies nicht aus eigenem Ermessen tun, sondern nur soweit sie es als den Willen Gottes erkennen. „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut — tut alles zur Ehre Gottes! Gebt weder den Juden noch den Griechen noch der Gemeinde Gottes einen Anstoß, so wie auch ich in allen Stücken allen zu Gefallen lebe und nicht meinen Nutzen suche, sondern den der vielen, damit sie gerettet werden. Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich [Nachahmer] des Christus bin!“ (1Kor. 10,31-11,1) Um die Grenzlinie zwischen uns und der Welt stets zu erkennen – um zu empfinden, was sich für einen Nachfolger Christi schickt oder nicht schickt, dazu bedarf es eines feinen geistlichen Taktgefühls – dazu müssen wir in demütiger Abhängigkeit vor Gott wandeln und nach den Augen unseres heiligen, liebenden Herrn blicken, mit Seinem Herzen in inniger Gemeinschaft sein!

Paulus spricht von Christen, deren Gott der Bauch ist – die auf das Irdische sinnen – Feinde des Kreuzes Christi, deren Ende das Verderben ist. Wie ernst ist diese Warnung! Ja, die irdische Gesinnung ist eine schwere Krankheit bei Kindern Gottes. Wird sie noch zu heilen sein? Sie beginnt unbemerkt in den Gedanken des Herzens, welche so leicht für sich selbst oder für die Kinder nach dem trachten, was auf Erden ist. Man denkt an eine lange Lebenszeit auf Erden. Die Hoffnungen und Wünsche malen sich ihr Ziel, ihr Paradies ist irdisch. Man vergisst, wie flüchtig und unsicher das Leben hier ist. Man vergisst, dass Christus unser Leben ist und dass er uns droben die ewige Heimat und Herrlichkeit bereitet hat! Man vergisst, dass unser Herr hier auf Erden nicht hatte, wohin Er das Haupt legen konnte. Man vergisst, wozu der Herr Jesus uns in die Welt gestellt hat!

Ja, ein irdisch gesinnter Gläubiger macht sich den Weg breit in allem, was Genuss und Bequemlichkeit betrifft. Was dem Fleisch, der angeborenen Natur gefällt, das bildet den Gegenstand der Gedanken, Gespräche und Wünsche. Ob es sich um Essen, Trinken, Kleidung, Umgang, Sport, Rauchen, Vergnügungsreisen handelt – oder um das Trachten nach Ehre oder nach Geld und Wohlstand: das Leben erhält allmählich immer mehr den Stempel der irdischen Gesinnung. Der Unterschied, der den Nachfolger Christi gegenüber den Kindern dieser Welt kennzeichnet, verschwindet. Die Persönlichkeit – das Familienleben wirkt auf die Umgebung nicht mehr als ein leuchtendes Licht – nicht mehr als ein der Fäulnis wehrendes Salz! Das Salz ist fade geworden; womit soll man es salzen? Das Licht ist herunter gebrannt und am Erlöschen, woher soll Leuchtkraft kommen? In solch krankes, ja absterbendes Christentum kann nur noch die heilige, mächtige Hand Gottes eingreifen mit ernster Züchtigung – sei es schwere Krankheit oder Sterben, sei es Verarmung oder Berufsschwierigkeiten oder sonstige Nöte! Wird es möglich sein, diese Kinder Gottes noch zu heilen von ihrer irdischen Gesinnung – das göttliche Leben bei ihnen noch wirksam zu machen?